Das Konzept des Neohumanismus

Humanismus ist eine Weltanschauung, die auf die abendländische Philosophie der Antike zurückgeht und sich an den Interessen, den Werten und der Würde des einzelnen Menschen orientiert. Toleranz, Gewaltfreiheit und Gewissensfreiheit sind die wichtigen humanistische Prinzipien menschlichen Zusammenlebens. Die eigentlichen Fragen des Humanismus sind aber: „Was ist der Mensch? Was ist sein wahres Wesen? Wie kann der Mensch dem Menschen ein Mensch sein?“ Humanismus bezeichnet die Gesamtheit der Ideen von Menschlichkeit und des Strebens nach, der Verbesserung des menschlichen Daseins.

  1. Das Glück und Wohlergehen des Einzelnen und der Gesellschaft bilden den höchsten Wert, an dem sich jedes Handeln orientieren soll.
  2. Die Würde des Menschen seine Persönlichkeit und sein Leben müssen respektiert werden.
  3. Der Mensch hat die Fähigkeit, sich zu bilden und weiterzuentwickeln.
  4. Die schöpferischen Kräfte des Menschen sollen sich entfalten können.
  5. Die menschliche Gesellschaft soll in einer fortschreitenden Höherentwicklung die Würde und Freiheit des Einzelnen gewährleisten.

Humanität ist die praktische Umsetzung der Ideen des Humanismus. Dazu gehören Güte, Freundlichkeit und ein Mitgefühl für die Schwächen der Menschen, seiner selbst inne und mächtig zu werden, und sich im Mitmenschen selbst wieder zu finden. Die Idee des Humanismus wurde im Laufe der Europäischen Geschichte immer wieder erneuert und kritisiert.

P.R. Sarkar bezieht sich mit seinem Konzept des Neohumanismus (nicht zu verwechseln mit Neuhumanismus) auf die Ideale des klassischen Humanismus, stellt aber fest, das dem ursprünglichen Konzept des Humanismus der Anspruch und das Bewusstsein fehlen, diese Ideale Wirklichkeit werden zu lassen. Er liefert eine Analyse, warum die Errungenschaften des Humanismus nur wenigen Menschen zugänglich sind und fordert uns auf, sich mit den Hindernissen auseinanderzusetzen.

Die Hindernisse sind die sogenannten Sentimente, die im Ego und im Eigennutz ihren Ursprung haben. Bei den Sentimenten handelt es sich um gedankliche Konstrukte, die auf Gefühlen wie Neid, etc. und nur scheinbar einer Logik gehorchen. Solange die eigendienlichen Motive einer Gruppe den Geltungsbereich der humanistischen Werte beschränken, nennt er das Pseudo-Humanismus. Diese Sentimente unterteilt er in das Geo- Sentiment, das Sozio- Sentiment und das Human- Sentiment.

Das Geo-Sentiment entspringt aus der Liebe zu einer bestimmten Region und der Bemühung sich für das Wohlergehen dieser Region einzusetzen. Wenn dieses Engagement aber nicht von der Idee der universalen Brüderschaft aller Menschen und dem Prinzip der sozialen Gleichheit für den ganzen Globus eingebettet ist, wird es dazu führen, dass sich einzelne Regionen auf Kosten anderer Regionen entwickeln. Daraus können regionaler Patriotismus, Geo – Ökonomie, und andere geo-zentrische Gefühle einschließlich eines geo-religiösen Sentiments hervorgehen. Ihr stärkster Ausdruck findet sich im Nationalismus des 19. Jhd. und dem Faschismus. Ein echter Neohumanist darf nichts unterstützen, was diese schädlichen Bestrebungen fördern könnte. Alle diese Sentimente behindern den geistigen Fortschritt der Menschen und wurden von Individuen erfunden, die daraus ihren persönlichen Nutzen ziehen. Der Universalismus, das Wissen um den gemeinsamen Ursprung allen Seins und aller Wesen, ist die Gegenkraft zu diesen, die Menschheit zersplitternden Sentimenten. Die Hingabe zum höchsten Schöpferischen Prinzip führt den Menschen zu einem Zustand der Feinheit und letztlich zum höchsten Glück. Sie ermöglicht und beinhaltet zugleich den Respekt und die Liebe zu den Mitwesen und überwindet die Geo- Sentimente. Wenn es an Hingabe mangelt, fehlt dem Leben der Einklang zwischen dem Rhythmus unseres Lebensstiles und dem inneren psychischen Rhythmus. Der Mensch verliert seinen Glanz und die Balance im sozialen Leben.

Ähnlich schädlich ist das Sozio-Sentiment, das sich nur mit dem Wohlergehen und den Interessen einer Gruppe identifiziert. Darauf basieren der Sozio-Patriotismus, die Sozio-Religion, die Sozio-Ökonomie, die Sozio- Kunst, - Architektur und –Literatur. Auch wenn das Sozio-Sentiment einer Gesellschaften einen größeren Radius wählt und andere Gesellschaften als zu fördernd annimmt, zeigt sich hier so lange kein echter Neohumanismus, solange diese nicht als für eine volle Entwicklung gleichberechtigte Partner mit eigener Identität und eigener Kultur behandelt werden. . Ein Beispiel für ein Sozio- Sentiment stellen die verbreiteten Forderungen an die Länder Afrikas oder Asiens dar, bestimmte Strukturen unserer Kultur (z.B. „the american way of life“) zu übernehmen, ohne Bezug zu den historisch gewachsenen Formen des Zusammenlebens dieser Gemeinschaften. Der Höhepunkt, der für die menschliche Gemeinschaft schädlichen Wirkung ist erreicht, wenn Aussagen erklingen wie: “Euer Gott ist der wahre Gott, alle anderen Götter sind falsche Götter. Ihr seid die Auserwählten, in diesem Universum, alle anderen sind verdammt!“

Das Human-Sentiment bezieht die Prinzipien des Humanismus allein auf die menschliche Spezies und lässt alle anderen Wesen der Schöpfung außer Acht. Das führt zur Ausbeutung der Pflanzen-, Tier- und Umwelt. Alle Moleküle, Atome, Elektronen und Protonen sind nach P.R. Sarkar Ausdrucksformen des allwaltenden Höchsten Bewusstseins. „Diejenigen, die sich dieser Tatsache erinnern und diese Empfindung in ihrem Herzen ständig lebendig halten, sind die wirklichen Verehrer des höchsten Bewusstseins und damit die wahren Humanisten.“

Diesen Sentimenten kann man durch die Entwicklung einer proto-spirituellen Mentalität entgegenwirken. Dessen Grundlage ist das Prinzip der sozialen Gleichheit. Wenn man dieses Prinzip im tiefsten Herzen verwirklicht hat dann kann kein Feindschaften schaffendes Sentiment entstehen.

Was P.R. Sarkar herausstellt, ist die Notwendigkeit des Engagements jedes Einzelnen wie auch der Gemeinschaften gegen die dem Neohumanismus entgegenstehenden Kräfte und Individuen. Gutes tun wollen, aber seine Stimme nicht gegen Ungerechtigkeit erheben, ist so unsinnig. als wollte man mit angezogener Handbremse eine Autofahrt machen.

Die Quelle der Inspiration für den Neohumanismus ist letztlich die Spiritualität als Kult, d.h. als kultiviertes System der täglichen Übung.

Das Buch, „Neohumanismus“ von P.R. Sarkar, Dharma Verlag, ISBN 3-921769-10-8 mit erläuternden Beispielen und Exkursen zu verwandten Themen, ist in deutscher Übersetzung über unsern Verlag verfügbar.