Licht und Dunkelheit

Wie Yoga und Spiritualität zusammenhängen

Philosophisch betrachtet spielt sich das menschliche Leben zwischen den Polen Licht und Finsternis ab. Als Licht betrachten wir das, was das Leben und dessen Entwicklung fördert, was sich im sozialen Zusammenhang als segensreich und in seiner Wirkung auf das Lebensumfeld als förderlich zeigt. Der Begriff der Wahrheit ist hier von Bedeutung.
Dunkelheit bedeutet in diesem Zusammenhang das, welches sich dem Leben und dessen Entfaltung in den Weg stellt, was den sozialen Zusammenhang und Zusammenhalt stört und das Lebensumfeld schädigt. Der Begriff der Täuschung wird in diesem Zusammenhang deutlich.

Spirituelle Schulen und Philosophien bemühen sich den Zustand der Täuschung, aufzuhellen in dem jeder Erdenbürger in einem gewissen Grad steht. Das in Selbstgerechtigkeit und Projektionen befangene Ego bewusst zu machen, ist z.B. eine der ersten Lehren, die ein spiritueller Schüler erfährt. Es gibt keine spirituelle Schule, die diesen Aspekt nicht behandelt. In der Bergpredigt spricht Jesus vom Splitter im Auge des anderen, wodurch wir den Balken im eigenen Auge übersehen. Die Intensität und die Werkzeuge, mit denen diese Frage bearbeitet wird, entscheidet über die Wirksamkeit einer spirituellen Schule. „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ sagte Jesus. - In welchem Geist die Praktizierenden einer Schule stehen, kann auch ein Laie erkennen, indem er sich deren Vertreter anschaut.

Den Adepten von der Verdunkelung der durch selbstdienliche Verzerrung der Wahrnehmung und durch Kontakt mit der spirituellen Sphäre zu bringen, überzeugt und fasziniert. Je nach Rang der Schule spielt der Begriff der Arbeit darin eine Rolle. Auf der untersten Ebene haben Yoga und Meditation die Bedeutung der Entspannung und Regeneration. Seit längerem schon gehören diese beiden Begriffe zum anerkannten Kanon eines vorsorgenden Gesundheitskonzeptes und sind darin weltweit anerkannt. Was in den 70er Jahren nur von Außenseitern der Gesellschaft praktiziert wurde, und was wichtige Personen tunlichst verbargen, wenn sie es praktizierten, wird heute in jeder Volkshochschule gelehrt. Das ist ein großer Fortschritt auf dem Weg zu einem körperlich gesünderen Kollektiv.

Das Konzept von Yoga geht indes viel weiter, wenn man seinen ganzheitlichen Ansatz ernst nimmt. Wirklicher Fortschritt ist auf keinem Gebiet ohne Einsatz zu erlangen. Hier scheiden sich schon die Geister. Meditation und Yoga entfalten ihre Wirkung nur, wenn sie regelmäßig geübt werden. Im Hinblick auf eine große Mitgliederzahl wird dieser Aspekt mehr oder minder vernachlässigt. Der Terminus technicus für Meditation im Sanskrit ist Sadhana. Sadhana bedeutet spirituelle Arbeit! Meditation ist nicht nur eine Entspannungstechnik, sondern der Aufbau geistiger Felder und Bereiche und das Training der Konzentration ist Arbeit. Freilich eine, die nicht ermüdet sondern erfrischt. Das System der aufeinander aufbauenden Meditationstechniken bei Ananda Marga. setzt ein beharrliches und regelmäßiges Üben voraus.

Spiritualität und deren Entfaltung ist eine der Möglichkeiten die dem Menschen zukommt. Der Mensch aber ist nicht denkbar ohne die menschliche Gesellschaft! Dass die Organisation der menschlichen Gesellschaft ein noch hohes Entwicklungspotential besitzt, ist unbestritten. Viele der spirituellen asiatischen Schulen beschränken sich darauf ihre Schüler in das Licht der Erkenntnis zu führen. Die Arbeit am Sozialen wird zwar nicht negiert, aber auf die Arbeit am Individuellen beschränkt; nach dem Motto, dass eine Gesellschaft umso bewusster und gerechter wird, je größer die Anzahl entwickelte Individuen sie aufweist. Dies ist nicht falsch, aber nur die halbe Wahrheit. Kein Individuum kann umfassendes Glück erlangen, solange es im Umfeld Leid und Not gibt. Was man als Unfeld begreift hängt vom Wahrnehmungsradius ab. Lange vor der Entwicklung der modernen Kommunikationstechniken hat Anandamurti in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts sein radikales Konzept ganzheitlicher Betrachtung menschlicher Fragestellungen formuliert. Die ganze Menschheit ist eine Familie. Die Belange und Probleme aller Mitglieder gehen alle an. Es wird kein unfassendes Glück auf diesem Planeten geben, solange die Einheit der menschlichen Gesellschaft zum Wohle aller hergest